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Günter Schwaiger: Hafners Paradies - Interview

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Die Sequenz, wo er im Meer schwimmt, reiht sich in die beiden Traumsequenzen ein?
Günter Schwaiger: Die Meersequenz ist natürlich eine Metapher. Auch das Musikstück von Wagners Siegfried ist ein ganz wichtiges archetypisches Element. Das Ins-Meer-Gehen, das Schwimmen und das Herauskommen, wie er gegen seine eigene Natur kämpft und dabei eine extreme Fragilität zeigt, irgendwie herauswackelt, das sagt sehr viel über ihn aus. Da soll auch der Zuschauer seine Leseweise finden.

Wie kam es zur Musikauswahl?
Günter Schwaiger: Jeder der drei Teile hat seine eigene Musikkonzeption. Mich interessiert die Musik nicht als Untermalung von etwas, was ich ohnehin schon sehe, sondern als Kontrapunkt. Im ersten Teil, wo Hafner sich selbst als Figur aufbaut und vor der Kamera konstruiert, ist mehrmals Mozart zu hören. In diesem Fall ist es das Ironische, das Verspielte an Mozart, dieses großartige Leichte und gleichzeitig unglaubliche Tiefe, das mich interessierte. Nämlich genau das Gegenteil von dem, was Hafner einbringt.
Die Musik von Ulrich Fussenegger, Ernesto Molinari und Bernhard Lang ? drei zeitgenössischen österreichischen Komponisten ? setze ich immer dann ein, wenn ich das Gefühl habe, dass Hafner tief an der Wahrheit gräbt, wo es in seinem Inneren enorm brodelt. Diese Musik ist atmosphärisch, sehr tief, ich hatte das Gefühl, sie kratzt förmlich an Hafners Innenleben.
Im zweiten Teil ist es Wagner, der das Metaphorische stark zum Ausdruck bringt und natürlich auch die Beziehung zur Vorstellungs- und Mythenwelt von damals herstellt.
Ganz wichtig ist die Musik am Ende ? Davon geht die Welt nicht unter ? sie ist Teil eines Nazi-Propagandafilms aus dem Jahr 1943, wo Deutschland von den alliierten Bomben schon halb zerstört war. Eine Liebesgeschichte steht im Mittelpunkt und die Botschaft fürs demoralisierte deutsche Publikum war wohl so etwas wie:  Obwohl die Welt rund um uns kaputt geht, tun wir so als wäre nichts geschehen. Der absolute Widerspruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit, der auf dem absurden Glauben ans unbedingte Durchhalten beruht. Dieses Lied kannte Hafner sehr gut, wir haben es gemeinsam angehört und er hat sich dabei völlig in sich vergraben. Und schließlich ? die deutsche Hymne, na ja, die einzige CD, die er besitzt...

Die beiden letzten Arbeiten ? Hafners Paradies und Der Mord von Santa Cruz ? haben einen starken politischen Hintergrund, der ganz offensichtlich ein wesentliches Element in Ihren Projekten darstellt?
Günter Schwaiger: Ganz sicherlich. Für mich ist die Realität dann interessant, wenn sie sich mit den Zuständen auseinandersetzt, die die Figuren umgeben. Politik ist da immer ein Teil davon. Im Fall dieser beiden Filme geht es um Themen, die eine Auseinandersetzung damit einfordern und die mich schon immer beschäftigt haben. Aufarbeitung ist mir persönlich extrem wichtig. Ich bin ein Mensch, der sich sehr stark mit Hintergründen auseinandersetzt. Warum werden Menschen so, wie sie sind? Vielleicht auch weil ich aus meiner eigenen Geschichte immer viele Fragen an meine Eltern und Großeltern, an Österreich hatte.
Mich interessiert aber auch die Einsamkeit der Menschen, die ihre Einsamkeit durch Beziehungen oder soziales Verhalten überbrücken, aber im Grunde einsam bleiben. Das kommt bei alten Menschen besonders heraus. Alte Menschen interessieren mich als Erfahrungsträger, als Menschen, die ein ganzes Leben hinter sich haben. Aus dem Grund ist die Auseinandersetzung mit ihnen besonders lehrreich, wie auch immer sie sind. In diesem Film geht das ineinander über. Ich habe jetzt aber neue Projekte, wo nicht nur das historische Aufarbeiten im Vordergrund steht. Politik wird dabei dennoch wichtig sein, weil sie immer präsent ist.

Durch das lange Arbeiten im Ausland haben Sie etwas wie eine Position von Außen sowohl in Spanien wie auch in Österreich erlangt.
Günter Schwaiger: Das ist sicherlich ein Vorteil und ist immer auch ein Nachteil. Es ist für mich inzwischen klar, dass dieses Leben zwischen zwei Kulturen mein Ausgangspunkt bleiben wird. Das ist eine Tatsache. Das ist am Anfang nicht leicht, weil man nicht weiß, wo man steht, und man einen neuen Standpunkt sucht. Wenn man dieses Dazwischen akzeptiert, dann gewinnt man mit der Zeit einen fast neutralen Blick. Diese Distanz ermöglicht Dinge zu sehen, die man nicht sieht, wenn man mitten drinnen sitzt. Für mich ist das der Orientierungspunkt für die Zukunft.


Interview: Karin Schiefer
© 2007 Austrian Film Commission

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